Die Macht der Massenmedien- Rückblick auf Wulffs Krise

Der Rücktritt von Bundespräsident Wulf ist nun schon ein paar Tage her. Die Frage bleibt, woran ist es gescheitert? Denn wer bewusst nach Fehlern sucht, der wird wohl bei jedem Politiker etwas finden. Und was ist mit der Macht der Medien? Reporter finden immer das Haar in der Suppe, und wenn sie erst mal einen Anlass gefunden haben, suchen sie weiter.  Bild Online schrieb am 12.12.2011 aufgrund von Recherchen „Der Präsident hat ein Problem“. Das klingt noch harmlos.

Wulff reagiert mit dem Anruf auf die Mailbox von Bild Chefredakteur Kai Diekmann.  Das war noch nicht die Macht der Medien! Das war erst mal nur ein wütender Christian Wulff. Doch wehe, wenn sie losgelassen? Sie sind wie Bluthunde und eine Schlagzeile jagt die andere!

Einen Tag später hat der Ex-Bundespräsident es auf den Titel der Bild geschafft: „Wirbel um Privatkredit. “ Das greifen dann auch andere Zeitungen auf. Die Süddeutsche titelte am 14.12.2011: „Privatkredit bringt Wulf in Bedrängnis“ und die Frankfurter Allgemeine titelte: „ Vorwürfe gegen Wulff erfüllen Berliner Koalition mit Sorge“. Das Handelsblatt greift das Thema noch nicht ganz so groß auf: „ Wulff muss sich für Kredit rechtfertigen.“ Auch taz, Tagesspiegel und Berliner Zeitung schrieben an diesem Tag über Wulf auf ihren Titelseiten.

Die Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten wurde erschüttert. Wulff schwieg erst mal und gab dann erste Fehler zu. Am 19. Dezember berichtete die Bild von kostenlosen Gratisurlauben und einer Wahlkampfunterstützung von Carsten Maschmeyer. Natürlich ist das unangenehm für den Präsidenten und auch Normal-Bürger sagen nicht „nein“, wenn sie von Geschäftsfreunden zum Essen eingeladen werden oder umsonst in der Ferienvilla wohnen dürfen. Doch Christian Wulff war der Bundespräsident und hatte damit eine Vorbildfunktion. Und die Presse hat auch die Aufgabe, unrechte Machenschaften aufzudecken und sie an die Öffentlichkeit zu zerren. Sie ist auch Bestandsteil unserer Demokratie. Jeden Tag ging ein Stück mehr an Glaubwürdigkeit des Präsidenten verloren bis Weihnachten blieb es aber auf den Titelseiten relativ ruhig.

Am 4. Januar stellte sich Christian Wulff zum ersten Mal den Medien in einem Fernsehinterview. Er äußerte sich sehr spät, wenn man bedenkt, dass er schon seit Mitte Dezember in der Krise feststeckte und jeden Tag neue Schlagzeilen las. Er gab zu, was ohnehin schon bekannt war. Das brachte ihm erneute Schlagzeilen am 5. Januar; Welt: „Christian Wulf entschuldigt ‚schwere Fehler‘ “ ;Bild etwas schärfer: „Wulff stellt sich … aber reicht das wirklich?

Am 16. Januar entdeckte Bild, dass der Filmproduzent David Gronewold  Christian Wulf zum Luxusurlaub auf Sylt eingeladen hatte. Und so titelte Bild am 20.1. „Razzia bei Wulffs engsten Vertrauten“.  Dann folgten kleine Schlagzeilen und weitere kleinere Ungereimtheiten kommen ans Licht. Aber kann man da  schon von Hetzjagd sprechen? Auf jeden Fall bröckelt es Tag für Tag an der Glaubwürdigkeit von Wulff. Hätte er besser drauf reagieren können? Sollen? Gibt es eine Möglichkeit sich von so einer Imagekrise zu erholen? Letztlich trat er am 17.2.2012 zurück. Ob nun die Macht der Medien ihn dazu gebracht hat, oder ob es wirklich Vorteilnahme im Amt war, wird ein Gericht entscheiden.

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